Von wegen, Tatsachen! (5)

Dass man es mit der Wahrheit beim Faktillon noch nie so genau genommen hat, war bekannt. Doch scheinbar ist man in der Redaktion des seit 2016 erscheinenden Faktenportals des Postillon mit einer ganz heißen Nadel gestrickt. 

 

Wie sonst sind Bilder wie dieses zu erklären:

Da behauptet der Faktillon doch glatt, dass unsere Kanzlerin Totenköpfe (!!!) auf ihren Fingerspitzen tätowiert hätte. Geht es noch absurder? 

 

Wir können das energische Kopfschütteln von Jim de la Bone förmlich durchs Telefon hören, als wir ihn in seinem Tätowierstudio in den Katakomben des Bundestages anrufen. De la Bone verschönert die Körper der Abgeordneten seit 1998, hat schon so manchen Politiker unter seiner Nadel gehabt.

Regierungs-Tätowierer Jim de la Bone bei der Arbeit an Steffen Seibert
Regierungs-Tätowierer Jim de la Bone bei der Arbeit an Steffen Seibert

"Totaler Quatsch! Die Kanzlerin legt stets höchsten Wert darauf, dass ihre Tattoos nur an Stellen gestochen sind, die von der Öffentlichkeit nicht eingesehen werden können."

 

Das sei früher anders gewesen, so De la Bone. 

 

"Bis kurz vor ihrer Kanzlerkandidatur hatte Merkel die Hände tätowiert. Aber das geht nicht, wenn man so ein hohes Amt bekleidet. Da habe ich ihr echte Hände drüber gestochen. Eine Entfernung hätte zu viele sichtbare Narben nach sich gezogen."

Ein bisschen schmerzempfindlich sei sie, aber trotzdem tough, erzählt der Tätowierer begeistert.

"Ihr schlottern kurz vor den Sitzungen immer die Knie. Aber dann nimmt sie sich zusammen und spricht ihre magischen Worte: Jim, sagt sie dann immer...wir schaffen das!"

 

Und so kam ein Motiv zum nächsten. Auf Merkels Rücken prangt seit der letzten Abwendung der griechischen Staatspleite ein gigantischer Rettungsanker.

Merkels Hände kurz vor ihrer ersten Kanzlerschaft
Merkels Hände kurz vor ihrer ersten Kanzlerschaft

"Mein Lieblingsmotiv bei ihr. Es hat Wochen gedauert, aber das hat die Rettung ja damals auch, haha. Seitdem kann sie nur noch pastellfarbene Jacketts tragen, aber das war es ihr wert."  

 

Auf eine Obergrenze von Tattoos will sich Merkel laut De la Bone nicht einlassen. "Sie sagt immer, so lange noch ein Fleckchen Haut übrig ist, das man mit einer Nadel verschönern kann, machen wir weiter." 

 

Der Tätowierer ist unpolitisch, gibt aber für die kommende Bundestagswahl eine Prognose ab:

 

"Frau Merkel legt seit einiger Zeit gesteigerten Wert auf vegane Tätowierfarben. Sieht nach Schwarz-Grün im Bund aus. Aber was weiß ich schon, ich schwing jetzt mal die Nadel weiter." 

 

Im Hintergrund sind Schäubles Schreie zu hören, der ein neues Motiv auf die Wade gestochen bekommt. 

 

Man kann nur mutmaßen, was den Faktillon dazu treibt, einen solchen Unsinn über unsere Kanzlerin zu behaupten. 

 

Welche "Tatsache" will man uns als nächstes andrehen? Dass sich Merkel keine Stahlkugeln unter die Stirn nähen lässt, weil es schon genug Menschen gibt, die sie für eine Reptiloidin halten? 

 

Eine Beschwerde beim Presserat und beim Bundesverband Tattoo e.V. wurde eingereicht. 

SG; Bild Tätowierer Mikhail_Kayl Shutterstock 

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