Von wegen, Flugzeuge dürfen über Ortschaften nur 50 km/h fliegen!

Dass der Postillon journalistisch maximal Saftschubsenniveau erreicht, war bekannt. Doch scheinbar möchte man mit dieser Art von "News" in der seit 1845 erscheinenden Zeitung einen bundesweiten Pilotenstreik auslösen. 

 

Wie sonst ist folgender Artikel zu erklären?

 

Da behauptet der Postillon ernsthaft, dass Flugzeuge gemäß einer neuen Lärmschutzrichtlinie über geschlossenen Ortschaften nur noch 50 km/h schnell fliegen dürfen. Bemerkenswert hierbei ist, dass man in Fürth auf eine völlig veraltete Meldung hereingefallen ist, die bereits in mehreren Medien verbreitet wurde (z.B. in der UP).

 

Was alle Schundblätter, die den Aufreißer voneinander kopiert haben, aber außer Acht lassen: Die Pläne zu dieser Lärmschutzlinie sind längst wieder als "nicht realisierbar" (O-Ton Verkehrsminister Dobrindt) in der Schublade verschwunden. So hat es einen Testlauf am Himmel über Frankfurt gegeben, wo zu schnell fliegende Flugzeuge rechts rausfliegen und sich einer Verkehrskontrolle unterziehen mussten. Das Gesprächsprotokoll einer dieser Überprüfungen liegt Postillleaks vor: 

 

Protokoll der Testreihe "Luftraum- und Geschwindigkeitsüberwachung über Frankfurt a.M. des Flugzeug-Typs Airbus A 380". Bei der vorliegenden Kontrolle war Thorsten Dannewitz als Ober-Luftverkehrspolizist eingesetzt, der Pilot Klaus Sträter war in die Testreihe nicht eingeweiht. Kurz nach dem Start lag bereits eine mit der Laserpistole gemessene Geschwindigkeitsüberschreitung von mehreren hundert Stundenkilometern vor. Der Airbus des Piloten Klaus Sträter wurde herausgewunken und musste fortan mit Schrittgeschwindigkeit auf einer vom Fluglotsen im Vorfeld berechneten Strecke entlangfliegen, damit es nicht zu Kollisionen mit anderen Flugobjekten kommt. Der Gesprächsverlauf gestaltete sich wie folgt: 

 

Luftverkehrspolizist Thorsten Dannewitz (LVP): Guten Tag, Dannewitz von der Luftraumüberwachung. Können Sie sich vorstellen, warum wir sie rausgewunken haben? 

 

Klaus Sträter (Pilot): Nein, kann ich nicht, ich weiß nur, dass einige Passagiere sich gerade aufgrund der scharfen Bremsung übergeben haben. Was ist denn los? 

 

LVP: Laut einer neuen Richtlinie waren Sie nach dem Start zu schnell unterwegs. Über geschlossenen Ortschaften dürfen Sie nur 50 km/h fliegen. Kann ich mal bitte ihren Pilotenschein und den Flugzeugbrief sehen? Sind sie der Eigentümer dieser Maschine? 

 

Pilot: Ja klar. Eigentlich gehört mir sogar der ganze verdammte Flughafen, aber erzählen sie es bitte keinem weiter. 

 

LVP: Herr...Sträter, so steht es hier. Herr Sträter, ich muss sie darauf aufmerksam machen, dass sie außerdem ziemlich heftige Zick-Zack-Linien geflogen sind. 

 

Pilot: Das waren nur die Chemtrails, die ich im Auftrag der Bundesregierung über Frankfurt verteilt habe...hören sie, dauert das jetzt hier noch lange? Ich habe einen Flugplan einzuhalten und...

 

LVP: Giftmüllentsorgung über bewohntem Gebiet also. Sie wissen schon, dass das nicht erlaubt ist? Im Übrigen ist die TÜV-Plakette ihres Airbus ebenfalls abgelaufen. Haben sie mal die Unterlagen der letzten ASU?

 

Pilot: Die sind im Hangar und um Himmels willen, kann ich jetzt weiterfliegen? 

 

LVP: Drei ihrer Scheinwerfer sind ebenfalls defekt. Wie wollen sie denn da nach Süden fliegende Zugvögel rechtzeitig erkennen? Die Liste wird ja immer länger...

 

Pilot: So hoch fliegen doch gar keine...

 

LVP: Kann ich mal einen Blick in Ihren Gepäckraum werfen? Da muss ja alles richtig angegurtet sein.  

 

Pilot: Sicher, wenn sie mir verraten, wie man da dran kommen...

 

LVP: Ach, wird schon passen. Ist ja auch nicht ihr Job. Im Falle einer Flugzeugpanne wie etwa brennende Triebwerke müssen sie aber eine gelbe Warnweste tragen. Können sie die vorweisen? 

 

Pilot: Wir haben knallorangene Schwimmwesten, reicht das etwa nicht?   

 

LVP:  Das will ich mal gelten lassen. Beschäftigen sie illegale Stewardessen an Bord, die eventuell mehrere Rationen Tomatensaft bei sich führen? 

 

Pilot: Ist das etwa auch illegal? 

 

LVP: Nein, aber ich würde jetzt gerne so einen nehmen. Mit Salz und Pfeffer, wenn es geht. Keine Ahnung, so hoch oben hab ich immer irgendwie Appetit darauf, eigentlich seltsam, oder? 

 

Pilot: Kann ich jetzt bitte endlich weite...?

 

LVP: Natürlich. Sind sie mit einem Verwarngeld in Höhe von 2.650 Euro und drei Monaten Flugverbot einverstanden? Weniger kann ich ihnen wirklich nicht anbieten. Angeschnallt sind sie übrigens auch nicht, und die Handbremse ist ebenfalls ungelöst. 

 

Pilot: Ich habe meine EC-Karte nicht dabei. 

 

LVP: Dann steigen sie bitte aus, Füße vor die Flügel und Hände auf die Tragfläche.

 

Dort endet das Protokoll. Es haben laut Verkehrsministerium noch siebzehn weitere Geschwindigkeitskontrollen an diesem Tag stattgefunden. Da den Einnahmen von je 2.650 Euro (Strafe der Piloten) Ausgaben von durchschnittlich 12.875,78 Euro (Kerosinverbrauch der in Schrittgeschwindigkeit nebeneinander herfliegenden Flugzuge des Piloten und des LVP) gegenüberstanden, brauchte es nicht viel Rechenkunst, um das Ganze als "wirtschaftlich nicht tragfähig" im Mülleimer unsinniger EU-Richtlinien verschwinden zu lassen. 

 

Man kann nur mutmaßen, warum der Postillon hier ohne Prüfung so eine Luftnummer als Sensationsmeldung verkauft. 

 

Was wird dort als nächstes behauptet? Dass man demnächst von Köln nach Düsseldorf fliegen kann? 

 

Eine Beschwerde beim Presserat und bei der Pilotenvereinigung Cockpit wurde eingereicht. 

SG

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