Von wegen Hände aus Brokkoli, die eine Kiwi schneiden

Dass man beim Postillon Menschen im digitalen Printbereich auf die Schippe nimmt, war bekannt. Doch dass die Babykarotten-Gehirne in ihrer seit 1845 erscheinenden Zeitung mittlerweile auch in audiovisuellen Beiträgen die Leserinnen und Leser hinter's Licht führen, ist wohl nur mit Eisenmangel der Redaktion zu begründen.

 

Wie sonst ist folgender Artikel erklärbar?  

Da erklärt der Gemüsillon ernsthaft in einem "Tutorial", wie man eine Kiwi schneidet, wenn man statt Hände Brokkoli hat. Diese beim Postillon neue Art von Videos (Thiess Neubert und Anne Rothäuser brauchten wohl mal Urlaub) stammen allesamt aus der Feder von Luksan Wunder, der treudoofen Postillon-Konsumenten schon zeigte, wie man Brot mit einem Dosenöffner entrindet (Schwachsinn!), wie man eine Mango richtig schält (und dabei mit der falschen Aussprache von "Mango" mindestens drei Leser in den Suizid getrieben hat) oder wie man ins Darknet geht (Spoiler-Alarm: Der Bildschirm wird dunkler gestellt und der Darkmode wird aktiviert).

 

Zu blöd allerdings, dass der offenbar nicht vorhandenen Qualitätskontrolle im aktuellen Video gleich mehrere Patzer unterlaufen: 

 

1. Zweimal im Video werden wissenswerte (sic) Fakten zum Thema Kiwi eingeblendet. Die Kiwi seien die Eier des Kiwi-Vogels, der in Neuss und Seeland beheimatet sei. Da wir die Leserschaft von Postillleaks im Gegensatz zum Postillon nicht für völlig plemplem halten, ersparen wir uns hier jegliche Aufklärung. 

 

2. Die Brokkoli-Handverformung sei die einzige Handverformung, die sich mit zwei "k" schreiben würde. Das wäre prinzipiell ja nicht mal verkehrt, wenn es diese Verformung denn gäbe, doch eine simple Suchanfrage bei Google zeigt: Diese Krankheit existiert überhaupt nicht.

 

3. Den letzten und schlagendsten Beweis allerdings liefert das Video selbst: 

 

Denn in Minute 1:14 konnten unsere Video-Experten das erste Mal einen Finger am rechten Arm ausmachen. Wer also bis hierher an eine vegetarische Handverformung geglaubt hatte, wird bitter enttäuscht:

Das Ganze hätte man als technischen Aussetzer abhaken können, wenn eben jener verräterische Finger nicht volle 13 (!) Sekunden lang von Minute 1:43 - 1:56 zu sehen gewesen wäre. 

Brokkoli-haltender Finger, vergrößert durch uns
Brokkoli-haltender Finger, vergrößert durch uns

Man kann nur mutmaßen, was den Vegetarillon dazu veranlasst, die Intelligenz seiner Zuschauer mit derartig stümperhaften Tutorials zu beleidigen.

 

Was wird man dort als nächstes behaupten? Dass man mit Blumenkohlohren Signale aus dem Weltall empfängt?

 

Eine Beschwerde beim Presserat und beim Bundesverband der obst- gemüse- und kartoffelverarbeitenden Industrie e.V. (BVE) wurde eingereicht. 

SG, Fotos: Postillon; unter freundlicher Mitwirkung von @offfinnspielt, der uns den entscheidenden Hinweis gab.

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