Von wegen, Mann bekommt Kinositz hinter Giraffe

Dass beim Postillon keine ausgebildeten Cineasten sitzen, war bekannt. Doch was die hirnbenebelten Stummfilmgucker aus Fürth in ihrer seit 1845 erscheinenden Zeitung ihren Leserinnen und Lesern anzudrehen versuchen, ist nicht mal mit 3D-Brille zu ertragen.

 

Wie sonst ist folgender Artikel erklärbar?  

Da behauptet der Postillon ernsthaft, dass ein Mann bei einem Kinobesuch mit seiner Freundin ausgerechnet hinter einer Giraffe (!) Platz nehmen musste und so vom Film nichts mitbekam.

 

Zu dumm, dass der Mann ausgerechnet in Dortmund in einem Kino gewesen sein soll. Vielleicht spricht es sich ja irgendwann noch bis zum Popcornillon herum, dass hier der Hauptsitz von Postillleaks liegt. So fiel uns die Recherche für diesen dümmlichen Artikel nun wirklich nicht allzu schwer.

 

Da im Artikel von einem Kinosaal mit 300 Plätzen die Rede ist, kann hier nur das Cinestar Dortmund gemeint sein, alle anderen Lichtspielhäuser der Ruhrpott-Metropole sind kleiner. Zunächst schrieben wir die Pressestelle des Cinestar per Email an: 

 

Hier der betreffende Auszug aus der Hausordnung, die ziemlich eindeutig ist:

Dass wir auch nach zweieinhalb Monaten auf unsere Email keine Antwort bekamen, lässt folgenden Schluss zu: Entweder setzt der Postillon das Cinestar massiv unter Druck oder beide stecken unter einer Decke und es handelt sich hier um versteckte Schleichwerbung für die kriselnde Kinokette. Beide Szenarien wären einfach unverschämt. 

 

Aber auch ansonsten strotzt der Artikel nur so vor Fehlern. Weder ernähren sich Giraffen von Popcorn (sie fressen von Büschen auf halber Körperhöhe), noch sind sie in der Lage, sich mit ihren langen Beinen irgendwie anatomisch in einen Kinositz zu quetschen. 

 

Dass man sich beim Postillon nicht mal die Mühe gemacht hat, den angeblich gezeigten Film auszutauschen ("La La Land" lief 2017 in den deutschen Kinos und ist schon längst auf Bluray und DVD erhältlich), fällt da kaum noch ins Gewicht.

 

Wer noch einen letzten Beweis benötigt, kann sich anhand unseres aufgenommenen Fotos des Cinestar-Gebäudes vergewissern, dass die maßstabsgetreue Giraffe nun wirklich nicht durch die Eingangstür passt.

Kann keine Blockbuster schauen: Ausgewachsene Giraffe.
Kann keine Blockbuster schauen: Ausgewachsene Giraffe.

Man kann nur mutmaßen, was den Filmpremierillon dazu veranlasst, sich einen solchen Unfug auszudenken.

 

Was wird man dort als nächstes behaupten? Dass ein Mann sich entscheiden musste, ob er für seine Familie ein freistehendes Einfamilienhaus oder einen Kinobesuch inklusive 3D-Brillen, Popcorn, Nachos mit Käsesoße, Getränke in handlichen 2-Liter-Eimern, Eis vom Eisverkäufer zzgl. Parkhausgebühr kauft?

 

Eine Beschwerde beim Presserat und beim HDF KINO e.V. (Hauptverband Deutscher Filmtheater) wurde eingereicht.

SG, Foto oben: Postillon. Foto Giraffe: Shutterstock

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